Atemfrequenz, Pulsfrequenz, Körpertemperatur – Richtwerte für Hund, Katze und Pferd. Ein praktischer Leitfaden zum Mitnehmen.
Sie kennen Ihr Tier wahrscheinlich besser als jeder andere.
Sie merken, wenn etwas nicht stimmt. Manchmal lange bevor es ein Außenstehender wahrnimmt. Trotzdem ist es hilfreich, die wichtigsten Vitalwerte einmal in konkreten Zahlen vor Augen zu haben – als Orientierung, nicht als Diagnose-Werkzeug.
Wer die Normalwerte seines Tieres in Ruhe kennt, erkennt Abweichungen schneller. Und kann im Notfall der Tierärztin oder dem Tierarzt am Telefon präzise schildern, was Sache ist.
Was diese Werte sind – und was nicht
Die folgenden Werte sind Richtwerte aus der veterinärmedizinischen Standardliteratur. Sie gelten für gesunde, ruhende, erwachsene Tiere unter normalen Umgebungsbedingungen.
Welpen, Fohlen und sehr junge Tiere haben deutlich höhere Werte – das ist normal und kein Grund zur Sorge.
Die Werte schwanken außerdem je nach Aktivität, Aufregung, Außentemperatur und individueller Konstitution. Ein einzelner Messwert außerhalb des Bereichs ist daher noch keine Diagnose. Wiederholt erhöhte oder erniedrigte Werte in Ruhe sind aber ein Anlass, tierärztlich nachzuhaken.
Diese Übersicht ersetzt keine tierärztliche Untersuchung: Die Werte hier sind eine Orientierungshilfe, kein Ersatz für eine tierärztliche Diagnose. Wenn Sie an Ihrem Tier wiederholt auffällige Vitalwerte messen oder weitere Symptome auftreten, lassen Sie das tierärztlich abklären. Im Akutfall – etwa bei deutlich beschleunigter oder erschwerter Atmung, blassen Schleimhäuten oder Bewusstseinsstörungen – sofort den Tierarzt oder die Tierärztin kontaktieren.
Hund
Beim Hund schwanken die Werte stark mit der Größe. Ein Chihuahua hat in Ruhe einen deutlich höheren Puls als ein Berner Sennenhund.
| Vitalwert | Richtwert (erwachsen, ruhend) |
|---|---|
| Atemfrequenz | 15–30 Atemzüge pro Minute |
| Pulsfrequenz (kleine Rassen) | 100–160 Schläge pro Minute |
| Pulsfrequenz (mittelgroße Rassen) | 80–120 Schläge pro Minute |
| Pulsfrequenz (große Rassen) | 70–100 Schläge pro Minute |
| Körpertemperatur (rektal) | 37,5–39,0 °C |
| Schleimhautfarbe | rosa, gut durchblutet |
| Kapilläre Füllungszeit | unter 2 Sekunden |
Welpen liegen bei der Pulsfrequenz häufig zwischen 160 und 220 Schlägen pro Minute – das ist altersgemäß.
Katze
Katzen haben generell höhere Werte als Hunde. Aufregung – etwa beim Tierarztbesuch – kann den Puls leicht über 240 Schläge pro Minute treiben. Was in der ruhigen häuslichen Umgebung gemessen wird, ist deshalb wesentlich aussagekräftiger.
| Vitalwert | Richtwert (erwachsen, ruhend) |
|---|---|
| Atemfrequenz | 20–40 Atemzüge pro Minute |
| Pulsfrequenz | 120–220 Schläge pro Minute |
| Körpertemperatur (rektal) | 38,0–39,2 °C |
| Schleimhautfarbe | rosa, gut durchblutet |
| Kapilläre Füllungszeit | unter 2 Sekunden |
Eine Atemfrequenz über 40 Atemzügen pro Minute bei einer ruhig liegenden Katze ist ein wichtiges Warnzeichen, das oft auf Probleme im Herz-Lungen-System hinweist – tierärztlich abklären lassen.
Pferd
Beim Pferd sind die Werte in Ruhe deutlich niedriger als bei Hund und Katze. Ein gut trainiertes Sportpferd kann sogar einen Ruhepuls unterhalb des Standardbereichs haben – das ist ein Zeichen guter Kondition.
| Vitalwert | Richtwert (erwachsen, ruhend) |
|---|---|
| Atemfrequenz | 8–16 Atemzüge pro Minute |
| Pulsfrequenz | 28–44 Schläge pro Minute |
| Körpertemperatur (rektal) | 37,5–38,2 °C |
| Schleimhautfarbe | blassrosa, feucht |
| Kapilläre Füllungszeit | unter 2 Sekunden |
| Darmgeräusche | regelmäßig in allen vier Quadranten hörbar |
Fohlen haben in den ersten Lebenstagen Pulsfrequenzen von 70 bis 100 Schlägen pro Minute, die sich in den ersten Lebensmonaten an die erwachsenen Werte angleichen.
So messen Sie die Werte richtig
Vitalwerte sind nur dann aussagekräftig, wenn sie in Ruhe erhoben werden – nicht direkt nach dem Spaziergang, dem Spielen oder einer Aufregung.
Atemfrequenz
Beobachten Sie, wie sich der Brustkorb hebt und senkt. Eine Hebung-und-Senkung zählt als ein Atemzug. Zählen Sie über 30 Sekunden und multiplizieren Sie mit zwei – oder direkt eine volle Minute, wenn Ihr Tier ruhig liegt.
Pulsfrequenz
Beim Hund und bei der Katze tasten Sie den Puls am besten an der Innenseite des Hinterbeins (Femoralarterie) oder direkt links hinter dem Ellenbogen am Brustkorb (Herzschlag).
Beim Pferd ist die Pulsmessung am Ganaschenrand (Unterkiefer) am praktischsten – fühlen Sie an der Innenseite des Unterkiefers nach einer pulsierenden Arterie.
Zählen Sie über 15 Sekunden und multiplizieren Sie mit vier. Bei aufgeregten oder unruhigen Tieren lohnt sich, den Wert mehrfach zu erheben.
Körpertemperatur
Die Messung erfolgt rektal mit einem Digitalthermometer (vorher mit etwas Vaseline gleitfähig machen). Bei Hund und Katze wenige Sekunden, beim Pferd etwa eine Minute. Wichtig: Das Thermometer immer fest in der Hand halten – Tiere bewegen sich gern in der Situation.
Schleimhautfarbe und Kapilläre Füllungszeit
Die Schleimhautfarbe prüfen Sie am einfachsten am Zahnfleisch oberhalb der oberen Eckzähne. Sie sollte gleichmäßig rosa sein – bei manchen Rassen mit pigmentiertem Zahnfleisch nutzen Sie die Bindehaut am unteren Augenlid.
Für die kapilläre Füllungszeit drücken Sie kurz mit dem Finger auf die Schleimhaut. Die Stelle wird hell. Lösen Sie den Druck und zählen Sie, wie lange es dauert, bis die normale Farbe zurück ist – das sollten weniger als zwei Sekunden sein.
Wann werden Werte zur Warnung?
Auffällige Vitalwerte sind kein Diagnose-Werkzeug, aber ein wichtiger Hinweis. Bei diesen Konstellationen sollten Sie tierärztliche Hilfe holen – am besten sofort, nicht erst „mal abwarten“:
- deutlich beschleunigte oder erschwerte Atmung in Ruhe
- Atempausen oder ungewöhnliche Atemgeräusche
- stark erhöhter oder unregelmäßiger Puls in Ruhe
- Körpertemperatur unter 37 °C oder über 39,5 °C bei Hund und Katze, beim Pferd über 38,5 °C
- blasse, bläuliche oder gelbliche Schleimhäute
- kapilläre Füllungszeit deutlich über zwei Sekunden
- beim Pferd: über längere Zeit fehlende Darmgeräusche – das kann auf eine Kolik hinweisen
Notieren Sie sich die gemessenen Werte und auffällige Begleitsymptome. Diese Informationen sind für die tierärztliche Telefonberatung Gold wert.
Wo eine Tierheilpraxis ergänzend ansetzen kann
Das Beobachten und Messen von Vitalwerten gehört zu jeder gründlichen Untersuchung – auch in meiner Praxis. Vor jeder Behandlung schaue ich mir an, in welchem Allgemeinzustand Ihr Tier ist.
Bei der Anamnese hilft es enorm, wenn Sie mir Beobachtungen aus dem Alltag mitbringen können. Wie ist die Atmung beim Schlafen? Wie schnell erholt sich das Tier nach Belastung? Wie ist die Wasser- und Futteraufnahme? Solche Informationen ergänzen das, was ich vor Ort messen kann.
Bei chronisch kranken Tieren – etwa mit Herz- oder Atemwegserkrankungen – kann das regelmäßige Messen von Atemfrequenz und Puls in Ruhe zu Hause ein wichtiges Verlaufsinstrument sein. Das gehört in tierärztliche Hand, aber ich beziehe diese Werte gerne in meine ergänzende Begleitung mit ein.
Sie haben Fragen zu Werten an Ihrem Tier?
Wenn Sie an Ihrem Tier Beobachtungen machen, die Sie sich nicht erklären können, sprechen Sie mich gerne an. Eine telefonische Erstabsprache ist kostenfrei – manchmal genügt schon ein kurzes Gespräch, um einzuordnen, ob die Werte besorgniserregend sind oder im individuellen Normbereich liegen.
Alle Kontaktwege finden Sie auf der Kontaktseite.
Hinweis: Die hier genannten Werte sind allgemeine Richtwerte aus der veterinärmedizinischen Standardliteratur. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnostik. Bei auffälligen Werten oder weiteren Symptomen wenden Sie sich bitte an Ihren Tierarzt oder Ihre Tierärztin. Naturheilkundliche und manuelle Verfahren werden ergänzend eingesetzt.
































