Blutegel-Therapie

Die Behandlung mit Blutegeln gehört zu den ältesten überlieferten Heilverfahren der Medizingeschichte. Bereits vor über 2.500 Jahren setzten Ärzte in Griechenland und Ägypten Blutegel therapeutisch ein. Was lange als Volksmedizin galt, ist heute Gegenstand moderner Forschung: Die im Speichel des medizinischen Blutegels enthaltenen Wirkstoffe sind wissenschaftlich untersucht, und der Blutegel ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen.

In meiner Praxis hat sich die Blutegel-Therapie als wertvolle Ergänzung bewährt – besonders bei Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Wie wirkt die Blutegel-Therapie?

Während des Saugvorgangs gibt der medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis) einen komplexen Wirkstoffcocktail in das Gewebe ab. Mehr als 20 verschiedene Substanzen sind bisher identifiziert worden. Zu den bekanntesten gehören:

  • Hirudin – ein gerinnungshemmender Wirkstoff, der 1884 entdeckt wurde und als eigenständiges Arzneimittel in der Humanmedizin anerkannt ist
  • Calin – ein weiterer gerinnungshemmender Stoff, der für das therapeutisch erwünschte Nachbluten verantwortlich ist
  • Eglin und Bdellin – Substanzen, denen entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften zugeschrieben werden
  • Hyaluronidase – ein sogenannter Ausbreitungsfaktor, der die Verteilung der Wirkstoffe im umliegenden Gewebe unterstützt

Der Biss des Blutegels, das Saugen, die Wirkstoffabgabe und das anschließende Nachbluten greifen als therapeutische Einheit ineinander: Die lokale Durchblutung wird gefördert, Stauungen können sich lösen, und der Körper erhält Impulse zur Selbstregulation.

Wie läuft eine Blutegel-Behandlung ab?

Je nach Tierart, Größe und Art der Beschwerden werden ein bis mehrere Blutegel an der betroffenen Körperstelle angesetzt. Der Egel sucht sich seinen Weg durch das Fell und beginnt, sich mit seinen feinen Kalkzähnchen durch die Haut zu arbeiten.

Der Saugvorgang dauert in der Regel 30 bis 90 Minuten. Die meisten Tiere tolerieren die Behandlung erstaunlich gelassen – viele Hunde dösen während der Sitzung, und auch Pferde bleiben in der Regel ruhig. Nach dem Saugen fällt der Egel von selbst ab.

In den Stunden danach kommt es zum therapeutisch erwünschten Nachbluten, das bis zu 12 Stunden andauern kann. Dieses Nachbluten gehört zur Therapie und sollte nicht unterbunden werden. Die Bissstelle wird anschließend steril abgedeckt.

Bitte planen Sie für eine Blutegel-Behandlung ausreichend Zeit ein und sorgen Sie dafür, dass Ihr Tier sich am Behandlungstag ausruhen kann.

Wann kann die Blutegel-Therapie Ihr Tier unterstützen?

Die Hauptindikation für die Blutegel-Therapie sind Erkrankungen des Bewegungsapparates. Häufige Einsatzgebiete sind:

  • Arthrose und degenerative Gelenkerkrankungen
  • Gelenkentzündungen
  • Sehnen- und Bänderprobleme
  • Schwellungen und Hämatome
  • Wundheilungsstörungen
  • Chronische Schmerzzustände im Bewegungsapparat

Ein besonderer Vorteil: Die Blutegel-Therapie belastet die inneren Organe nicht. Das macht sie zu einer geeigneten Ergänzung gerade für ältere Tiere, bei denen herkömmliche Medikamente den Organismus stärker belasten könnten.

Wann sollte keine Blutegel-Therapie durchgeführt werden?

Es gibt Situationen, in denen eine Blutegel-Therapie nicht angezeigt ist. Dazu gehören Blutgerinnungsstörungen oder eine laufende Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten, stark anämische Tiere, immunsupprimierte Tiere sowie Tiere, die der Lebensmittelgewinnung dienen. Bei Pferden darf die Blutegel-Therapie nur eingesetzt werden, wenn das Pferd im Equidenpass als „Nicht-Schlachtpferd“ eingetragen ist.

Im Zweifelsfall kläre ich vorab mit Ihnen, ob die Blutegel-Therapie für Ihr Tier geeignet ist.

Ein Wort zum „Ekelfaktor“

Ich weiß: Für viele Tierbesitzer ist der Gedanke an Blutegel erst einmal gewöhnungsbedürftig. Das ist ganz normal und nachvollziehbar. In meiner langjährigen Praxiserfahrung habe ich jedoch immer wieder erlebt, wie schnell die anfängliche Zurückhaltung der Faszination weicht – wenn man sieht, wie ruhig das Tier die Behandlung annimmt und wie positiv die Reaktion in den Tagen danach sein kann.

Blutegel-Therapie im Zusammenspiel mit anderen Verfahren

Die Blutegel-Therapie lässt sich gut mit anderen Naturheilverfahren kombinieren – etwa mit Homöopathie, Akupunktur oder physiotherapeutischen Maßnahmen. Welche Kombination für Ihr Tier sinnvoll ist, besprechen wir individuell auf Basis der Befunderhebung.

Alle Therapieformen im Überblick

Sie möchten wissen, ob die Blutegel-Therapie für Ihr Tier geeignet ist? Ich berate Sie gerne – oft hilft bereits ein kurzes Gespräch, um eine Einschätzung zu geben.

Mehr über mich und meinen Werdegang
Erfahrungen anderer Tierbesitzer