Bevor ich Ihr Pferd behandle, möchte ich es verstehen. Jede osteopathische Behandlung beginnt deshalb mit einer sorgfältigen Befunderhebung – denn nur wer die Ursache einer Einschränkung kennt, kann sie gezielt adressieren.
Viele Pferde zeigen Beschwerden, die auf den ersten Blick schwer einzuordnen sind. Eine Steifheit, die sich nur auf einer Hand bemerkbar macht. Ein Taktfehler, der kommt und geht. Eine Widersetzlichkeit, die erst beim Reiten auftritt. Solche Hinweise ernst zu nehmen und systematisch zu untersuchen, ist der Schlüssel zu einer sinnvollen Behandlung.
Wie die Befunderhebung abläuft
Vor dem Termin – Anamnesebogen per E-Mail
Nach der Terminvereinbarung erhalten Sie von mir vorab einen Anamnesebogen per E-Mail. Darin werden alle wichtigen Informationen abgefragt: Alter, Rasse, Nutzung, Krankengeschichte, aktuelle Beschwerden und bisherige tierärztliche Befunde. So kann ich mich bereits vor dem Termin ein erstes Bild machen, und wir können die gemeinsame Zeit vor Ort optimal nutzen.
Anamnese – Ihr Pferd im Gespräch
Der Termin beginnt mit der Besprechung des ausgefüllten Anamnesebogens. Hier klären wir offene Fragen, und Sie können mir alles erzählen, was Ihnen an Ihrem Pferd aufgefallen ist. Niemand kennt Ihr Pferd so gut wie Sie – Ihre Beobachtungen sind ein wertvoller Baustein für die Befunderhebung.
Dabei interessieren mich unter anderem:
- Aktuelle Beschwerden und deren zeitliche Entwicklung
- Vorerkrankungen, Verletzungen und Operationen – auch weiter zurückliegende, denn Traumata können selbst Jahre später noch Auswirkungen auf den Bewegungsapparat haben
- Haltung, Fütterung und Sozialkontakte
- Trainingsgestaltung und Ausbildungsstand
- Hufbearbeitung und -zustand
- Ausrüstung (Sattel, Trense, Gurtung)
Bitte bringen Sie zum Ersttermin vorhandene tierärztliche Unterlagen mit. Je mehr ich über die Vorgeschichte Ihres Pferdes weiß, desto gezielter kann ich die Untersuchung gestalten.
Sichtbefund – Den Körper lesen
Im zweiten Schritt betrachte ich Ihr Pferd im Stand. Dabei verschaffe ich mir einen Gesamteindruck vom Exterieur: Wie ist der Ernährungs- und Trainingszustand? Gibt es Asymmetrien in der Muskulatur? Fällt eine Schonhaltung auf? Wie steht Ihr Pferd auf seinen Hufen?
Auch die Kopf- und Schweifhaltung, die Stellung des Beckens und das allgemeine Erscheinungsbild geben mir erste wichtige Hinweise darauf, wo mögliche Einschränkungen liegen könnten.
Ganganalyse – Bewegung sichtbar machen
Die Ganganalyse ist ein zentraler Bestandteil der Befunderhebung. Ich beurteile Ihr Pferd in der Bewegung – zunächst im Schritt auf festem, ebenem Boden, anschließend im Trab. Bei Bedarf ergänze ich die Analyse durch Longieren in allen drei Gangarten.
Dabei achte ich unter anderem auf Taktmäßigkeit und Gleichmäßigkeit der Bewegung, die Symmetrie von Vorhand und Hinterhand, den Raumgriff und die Fußung, die Bewegung von Kruppe und Rücken sowie die Kopf- und Schweifhaltung in der Bewegung.
Geringgradige Bewegungsunregelmäßigkeiten – etwa eine leichte Taktunreinheit oder eine subtile Asymmetrie – sind mit dem bloßen Auge oft schwer zu erkennen, können aber wichtige Hinweise auf Funktionsstörungen geben.
Tastbefund (Palpation) – Mit den Händen hören
Im Anschluss taste ich Ihr Pferd systematisch ab. Mit den Händen untersuche ich Muskulatur, Faszien und Bänder auf Spannungsunterschiede und Temperaturveränderungen. Die Beweglichkeit der Gelenke wird einzeln getestet.
Dieser manuelle Untersuchungsgang ist das Herzstück der osteopathischen Diagnostik. Er ermöglicht es mir, Bewegungseinschränkungen und Gewebespannungen aufzuspüren, die von außen nicht sichtbar sind – und die eigentliche Ursache für die beobachteten Auffälligkeiten zu identifizieren.
Vom Befund zum Behandlungsplan
Auf Grundlage aller erhobenen Informationen – Gespräch, Sichtbefund, Ganganalyse und Tastbefund – erstelle ich einen individuellen Behandlungsplan für Ihr Pferd. Dabei betrachte ich immer den gesamten Körper, denn eine Einschränkung an einer Stelle kann sich auf ganz andere Körperregionen auswirken.
Im Anschluss an die Befunderhebung bespreche ich meine Beobachtungen mit Ihnen und erkläre, welche Behandlungsschritte ich empfehle.
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Was Sie zum Termin vorbereiten können
Damit die Befunderhebung reibungslos abläuft, bitte ich Sie um folgende Vorbereitung:
- Ihr Pferd sollte trocken und sauber sein (nicht frisch eingesprüht)
- Es sollte ein ruhiger, ebener Bereich für die Untersuchung zur Verfügung stehen – idealerweise eine befestigte Fläche für die Ganganalyse
- Bitte halten Sie tierärztliche Befunde bereit, falls vorhanden
- Planen Sie ausreichend Zeit ein – ein Ersttermin mit Befunderhebung und Behandlung dauert in der Regel 60 bis 90 Minuten
- Es wäre hilfreich, wenn eine zweite Person Ihr Pferd für die Ganganalyse vorführen kann
Die osteopathische Befunderhebung ersetzt keine tierärztliche Diagnostik. Bei akuten Lahmheiten oder unklaren Symptomen wenden Sie sich bitte immer zuerst an Ihren Tierarzt.


