Sie haben sich für eine osteopathische Behandlung Ihres Pferdes entschieden? Wunderbar. Damit Sie wissen, was Sie erwartet, möchte ich Ihnen den Ablauf einer Erstbehandlung Schritt für Schritt vorstellen.
Jedes Pferd ist anders, und jeder Termin wird individuell auf die Bedürfnisse Ihres Pferdes abgestimmt. Eines bleibt dabei immer gleich: Ich nehme mir die Zeit, die Ihr Pferd braucht – ohne Hektik und in seiner vertrauten Stallumgebung.
Vor dem Termin – Anamnesebogen per E-Mail
Nach der Terminvereinbarung erhalten Sie von mir vorab einen Anamnesebogen per E-Mail. Darin werden alle wichtigen Informationen abgefragt: Alter, Rasse, Nutzung, Krankengeschichte, aktuelle Beschwerden und bisherige tierärztliche Befunde. So kann ich mich bereits vor dem Termin ein erstes Bild machen, und wir können die gemeinsame Zeit vor Ort optimal nutzen.
Für den Termin selbst wäre es hilfreich, wenn Sie Folgendes vorbereiten:
- Den ausgefüllten Anamnesebogen (falls noch nicht per E-Mail zurückgeschickt)
- Gegebenenfalls vorhandene tierärztliche Befunde oder Röntgenbilder
- Einen sauberen, ebenen Platz zum Vortraben (möglichst fester Boden, ca. 20 m)
Bitte stellen Sie Ihr Pferd trocken und sauber bereit – frisch aus dem Matsch ist ungünstig für die Befunderhebung. Ein ruhiger Platz im Stall oder eine Stallgasse, in der Ihr Pferd stehen kann, reicht völlig aus.
Schritt 1: Besprechung des Anamnesebogens
Der Termin beginnt mit einer Besprechung des ausgefüllten Anamnesebogens. Hier klären wir offene Fragen, und Sie können mir alles erzählen, was Ihnen an Ihrem Pferd aufgefallen ist. Niemand kennt Ihr Pferd so gut wie Sie – Ihre Beobachtungen sind ein wertvoller Baustein für die Befunderhebung.
Schritt 2: Beurteilung im Stand
Bevor ich das Pferd in der Bewegung sehe, betrachte ich es zunächst im Stand. Dabei achte ich auf die Haltung, die Symmetrie der Muskulatur, die Stellung der Gliedmaßen und die allgemeine Körperbalance. Schon hier können erste Hinweise auf Fehlstellungen oder Kompensationshaltungen sichtbar werden.
Schritt 3: Ganganalyse
Anschließend lasse ich mir Ihr Pferd im Schritt und Trab an der Hand vortraben – auf festem Boden, geradeaus und auf dem Zirkel. Bei Bedarf schaue ich mir das Pferd auch an der Longe an. Die Ganganalyse gibt mir wichtige Informationen über Bewegungsqualität, Taktgleichmäßigkeit und mögliche Einschränkungen.
Schritt 4: Manuelle Befunderhebung
Nun folgt die eigentliche manuelle Untersuchung. Ich taste das Pferd systematisch durch und prüfe Gelenke, Muskeln, Faszien und die gesamte Wirbelsäule auf Beweglichkeit, Spannung und Schmerzreaktionen. Dabei arbeite ich mich vom Kopf über Hals, Rücken und Becken bis zu den Gliedmaßen vor.
Diese Untersuchung erfordert ein ruhiges, aufmerksames Vorgehen. Jede Reaktion des Pferdes fließt in den Befund ein.
Schritt 5: Osteopathische Behandlung
Auf Basis des Befundes behandle ich die festgestellten Funktionsstörungen mit gezielten manuellen Techniken. Je nach Befund kommen Mobilisationstechniken für Gelenke, Dehntechniken für Muskulatur und Faszien sowie spezifische osteopathische Griffe zum Einsatz. Bei Bedarf ergänze ich die Behandlung um Cranio-Sakral-Therapie.
Die Behandlung ist für das Pferd in der Regel angenehm. Viele Pferde zeigen deutliche Entspannungszeichen wie Abkauen, Gähnen oder tiefes Durchatmen. Ich passe Intensität und Tempo stets an die Reaktionen Ihres Pferdes an.
Schritt 6: Nachbesprechung und Trainingsempfehlungen
Nach der Behandlung besprechen wir gemeinsam den Befund und ich erkläre Ihnen, was ich festgestellt und behandelt habe. Sie erhalten individuelle Empfehlungen für die nächsten Tage und Wochen:
- Wie viel Reitpause Ihr Pferd braucht (in der Regel ein bis zwei Tage)
- Welche Bewegung in den ersten Tagen sinnvoll ist (Schrittführen, Weidegang)
- Welche Trainingsübungen den Behandlungserfolg unterstützen können
- Ob und wann eine Nachkontrolle empfehlenswert ist
Nach der Behandlung – Was völlig normal ist
In den Tagen nach der Behandlung kann es sein, dass Ihr Pferd vorübergehend Muskelkater zeigt oder sich zunächst etwas unsicher bewegt. Das ist eine normale Reaktion: Der Körper passt sich an die gelösten Blockaden an und findet in ein neues, physiologischeres Bewegungsmuster.
Leichte Bewegung ist in dieser Phase erwünscht. Ich empfehle Schrittführen oder freien Weidegang, damit Ihr Pferd seinen Körper neu spüren kann, ohne unter Leistungsdruck zu stehen.
Folgebehandlungen
Bei akuten, erst kürzlich entstandenen Blockaden reicht häufig bereits eine Behandlung aus, um dem Körper einen wirksamen Impuls zur Selbstheilung zu geben. Bei länger bestehenden oder chronischen Problemen können mehrere Sitzungen erforderlich sein, da sich der Körper über die Zeit an Schon- und Kompensationshaltungen angepasst hat.
Eine Nachkontrolle nach etwa vier Wochen wird in der Regel empfohlen. So kann ich überprüfen, wie der Körper auf die Behandlung reagiert hat, und bei Bedarf nachbehandeln. Im weiteren Verlauf empfehlen sich je nach Belastung und individueller Situation ein bis vier Kontrollen pro Jahr.
Zeitrahmen
Eine Erstbehandlung inklusive Anamnese, Ganganalyse, Befunderhebung, Behandlung und Nachbesprechung dauert in der Regel 60 bis 90 Minuten. Folgebehandlungen können kürzer ausfallen, je nach Umfang der Problematik.
Ich plane bewusst ausreichend Zeit ein, damit weder Sie noch Ihr Pferd unter Zeitdruck geraten.
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